Die Hanfpflanze zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Es wird angenommen, dass ihr Ursprung in Asien liegt, durch ihre rasante und stetige Verbreitung rund um den Globus ist der Ursprung allerdings schwer eruierbar.

Erste schriftliche Erwähnungen finden sich in chinesischen Schriften aus dem 3. Jahrtausend vor Christus, wo in einem Buch über Heilpflanzen der Hanf als Mittel gegen Rheuma, Malaria und andere Krankheiten angeführt wird. In Europa werden die ältesten Hanf-Funde im Raum Deutschland sogar mit ca. 3.500 vor Christus datiert.

Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt

Die alten Griechen nutzten Hanf auch gerne für Bekleidung und die Hanfpflanze zählte damals zu den meist verbreiteten und beliebtesten Faserpflanzen. In Schriften des römischen Gelehrten Plinius dem Älteren (23 bis 79 n. Chr.) ist zu lesen, dass Hanf Schmerzen lindere und der griechische Arzt Pedanios Dioskurides, er lebte im 1. Jahrhundert nach Christus und gilt als berühmtester Pharmakologe des Altertums, berichtete von Hanfsamensaft, der gegen Ohrenschmerzen wirke.

Im Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert) gewann der Hanf durch die zunehmende Seefahrt an Bedeutung. Einerseits, weil Segel und Seile aus Hanf dank ihrer Widerstandsfähigkeit Teil der Schiffe wurden und andererseits diese die Hanfpflanze und die aus ihr gewonnen Produkte schneller in der Welt verbreiten konnten. Ab dem 13. Jahrhundert war Hanf die Nummer 1 im Bereich der Papierherstellung. Die Gutenberg-Bibel (1455) und auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) wurden zum Beispiel beide auf Hanfpapier gedruckt. Im Bezug auf den Einsatz der Hanfpflanze im medizinischen Bereich sind im Mittelalter nur wenige schriftliche Belege zu finden. Allerdings gibt es Überlieferungen, dass Hanf auch damals gerne als Mittel zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzsymptomen bis hin zur Neuzeit (der Beginn der Neuzeit wird mit Ende 15., Anfang 16. Jahrhundert angesetzt) verwendet wurde.

Andere Fasern und Kunststoff verdrängen Hanf

Nach dieser längeren Hanf-Hochphase bis in die Anfänge der Neuzeit begann ein Phase des Niedergangs. Die vielen neuen Faserstoffe und die neue technische Entwicklungen verdrängten die Hanfpflanze zunehmend. Holz löste den Hanf als Grundlage bei der Papierherstellung ab und Sisal (die Fasern aus Agaven) löste die Hanffasern im Bereich der Textilien und bei der Herstellung von Seilen und Tauen ab. Im Bereich der Landwirtschaft setzten viele Bauern auf andere, ertragreichere Pflanzen. Somit war bis zur Jahrhundertwende der Hanf zum Beispiel in Deutschland fast gänzlich verdrängt.

Der Tiefpunkt in der Geschichte des Hanfs wurde schließlich im Jahre 1937 in den U.S.A erreicht, wo der Marihuana Tax Act of 1927 gesetzlich verankert wurde. Ab 1937 wurden alle Hersteller und Händler von Hanf mit einer hohen Steuer belegt und schließlich wurde der (Nutz)hanfanbau vollkommen verboten. Ausschlaggebend dafür waren erfolgreiche Lobbyingtätigkeiten von Unternehmen, die sich Produkten mit den damals neuwertigen Kunstfasern verschrieben hatten. Dazu zählten die Du Pont Jamie, sowie Randolph Hearst. In Deutschland erlebte der Hanf während der nationalsozialistischen Herrschaft (1933 bis 1945) wieder eine kurze Hochphase. Die Nazis schätzten den nachwachsenden Rohstoff Hanf und förderten seinen Anbau.

Weltweit verdrängten im 20. Jahrhundert aber Kunstfasern den Hanf bis auf ein paar kleine Anbauflächen (zum Beispiel in der Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten) weltweit fast vollkommen. Gleichzeitig geriet Hanf durch die zunehmende mediale Berichterstattung rund um die Hippiebewegung und den „War on Drugs“ der Vereinigten Staaten immer mehr in Verruf und wurde von vielen Menschen nur mehr mit „Kiffen“ und „Rauschgift“ assoziiert.

Seit 1990er Jahren Hanf-Renaissance

Das führte in Deutschland sogar dazu, dass zwischen 1982 und 1995 der Nutzhanfanbau verboten war. Viele Länder reagierten ebenso mit Anbauverboten, in den U.S.A. besteht das Anbauverbot von Nutzhanf sogar bis heute. Ab den 1990er Jahren setzte die aktuelle Wiederentdeckung der Hanfpflanze ein. Viele Länder beendeten ihre Anbauverbote für Nutzhanf und auch die Politik reagierte. Die Europäische Union gab im Jahr 2002 per Verordnung 49 Nutzhanfsorten (Stand 2015) zum Anbau frei, die in den jeweiligen Mitgliedsländern entsprechend der nationalen Gesetze angebaut werden können.

Mit der aktuellen Legalisierungswelle von Cannabis in vielen Ländern befindet sich die Hanfpflanze auf einem wohl noch nie dagewesen Siegeszug. Einher geht eine immer intensivere wissenschaftliche Erforschung der Pflanze und ihrer gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Dies lässt für die nahe und mittlere Zukunft erwarten, dass die Hanfpflanze wohl nicht so schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden wird.


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